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Pro Ladenschlussgesetz – aus Amerikanischer Perspektive

Hättet ihr mich vor zehn Jahren, vor meinem Umzug in die USA gefragt was ich von den Ladenschlussgesetzen in Deutschland halte, wäre meine eindeutige Antwort gewesen: “Mr. Lawmaker, Tear this Law down!”. So sehr habe ich es gehasst dass ich am Sonntag keine Klamotten, Grillkohle oder anderweitige Dinge des Lebens einkaufen konnte. Scheiss Bevormundung.

Dann bin ich in die USA gezogen. Cambridge, Massachusetts. Mit BWL-Diplom, zur besten Wirtschaftskrise, 2008. Kompletter Einstellungsstop. Kurz gefasst, der einzige Job den ich zu dieser Zeit an Land ziehen konnte war bei Target, sowas in der Art wie Karstadt. On steroids (und nicht pleite). Wer mal in den USA die puren Dimensionen einer der rund 1.500 Target Filialen visualisieren konnte wird den Gag verstehen. Es ist aber auch nicht wirklich relevant.

Fakt ist, dass ich in den sechs Monaten bei Target keine einzige Woche meines damaligen Lebens mehr als einen zusammenhängenden Tag frei hatte. In der einen Woche hatte ich Dienstag und Freitag frei. In der nächten Woche Mittwoch und Samstag. Die Woche darauf Montag und Mittwoch. Meine Frau hatte immer Samstag und Sonntag frei, gemeinsame Aktivitäten am Wochenende waren nicht drin. Ich war eigentlich nur froh dass wir noch keine Kinder hatten. So ging das ein halbes Jahr. Bis ich die Schnauze voll hatte und kündigte.
Ich fing kurz danach an in einem Theater zu arbeiten, Arbeitszeiten Montag bis Freitag. Ein Traum. Oder das Erwachen aus einem Alptraum. Es ist ziemlich übel, nie zwei Tage hintereinander frei zu haben. Irgendwie so als könnte man sich niemals entspannen.
So oder so, ich musste noch oft an die armen Schweine denken die noch immer bei Target schufteten und nicht den Luxus hatten einfach mal aus dem Unmut ihrer Arbeitsbedingungen heraus zu kündigen.

Aber ich verstehe schon wenn es den meisten Leuten egal ist, denn sie arbeiten ja nicht im Einzelhandel. Not my monkeys, not my circus.

Ich gehe nicht in die Kirche. War nie Mitglied einer Gewerkschaft. Sympathisiere zwar mit der SPD (aktuelle Ereignisse aussen vor), könnte mir aber auch vorstellen was anderes zu wählen. Zehn Jahre Amerika prägen ja auch irgendwie politisch. Das ganze Sonntags-Ruhe Thema ist hier in den USA aber trotz Religiösität kein Thema. Kann Sonntag morgens um neun Uhr den Rasen mähen, meinen “Jesus the Lord”-Cap tragenden Nachbarn interessiert es nicht.

Dennoch muss ich sagen dass ich die Sonntagsruhe vermisse. Einfach mal slow down. Also nicht den Teil wo der Nachbar sich aufregt wenn ich den Rasen mähe, sondern den Teil wo mal weniger Verkehr auf der Strasse ist. Wo nicht alle loshetzen um irgendwelche Polyesterklamotten um 11:00 Uhr morgens in der Outlet Mall zum Schnäppchenpreis zu kaufen. Denn das ist die Realität in den USA. Wo man quasi rund um die Uhr konsumieren kann. Sieben Tage die Woche. Immer Verkehr. Immer Stress. Besonders Sonntags. Nie Ruhe. Das betrifft alle. Konsumwunsch oder nicht.

Nach einer kurzen Honeymoon-Phase in der man sich freut dass man Sonntag den gleichen Mist kaufen kann den man auch Montag-Samstag hätte kaufen können, realisiert man dass es nicht wirklich schön ist. Also ich bin dagegen, obwohl ich es oft nutze. Ein wenig heuchlerisch, ich gebe es zu. Sonntags den Kindern Plastikschrott aus China gekauft. Musste nicht sein. Shame on me. Ich würde es aber gerne aufgeben im Tausch gegen ein wenig Ruhe, auch wenn es nur einmal die Woche ist.
Aber es ist wie die Büchse der Pandora. Einmal geöffnet gibt es keinen Weg zurück mehr, denn eine einmal gewonnene Bequemlichkeit will man nicht mehr aufgeben selbst wenn die Nachteile offensichtlich sind. Also überlegt es euch gut.

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Die Amerikaner und ihre Waffen

Die meisten Leute die ich hier in den USA kenne besitzen keine Waffen und lehnen diese noch strikter ab als die pazifistischsten Deutschen. Das liegt wahrscheinlich daran dass ich in einer sehr liberalen und urbanen Gegend wohne, was sich beides häufig bedingt. Aber anders als z.B. das Thema Abtreibung, welches sich sehr genau entlang demokratisch-republikanischer Parteilinien abzeichnet, lässt sich die Waffendiskussion nicht unbedingt anhand von Parteizugehörigkeit scharf bestimmen, sondern der Bruch zieht sich im wesentlichen entlang der Grenzen zwischen Stadt und Land.

Als Gedankenspiel möge man sich das wenig wünschenswerte Szenario vorstellen, in dem jeder Bewohner Deutschlands über 18 Jahren sich praktisch unbegrenzte Mengen an Schusswaffen und Munition kaufen könnte. Vermutlich würden sich nur relativ wenige Einwohner Berlins Pistolen zulegen, während der durchschnittliche brandenburger Haushalt binnen weniger Monate statistisch gesehen 3,5 Handfeuerwaffen und Gewehre besitzen würde.
In diesem Szenario würde man in der TAZ ständig lesen können wie viele Kleinkinder sich in Deutschland gestern wieder erschossen haben, in der Bild-Zeitung hingegen würde man nur Geschichten von gesetzestreuen Bürgern die ihr Hab und Gut mit Waffen gegen kriminelle Ausländer verteidigen konnten finden. Im EU-Ausland würde man nur noch von den waffenvernarrten Deutschen lesen können und jeder zweite Internetkommentar zu egal welchem Thema würde die Germanen pauschal als waffengeile Idioten abstempeln.

Die Deutschen mit ihrer Historie haben aus gutem Grund eine andere Einstellung zu Waffen als US-Amerikaner die beim Thema Vergangenheit eher den Wilden Westen im kollektiven Sinn haben.
So sehr wie ich selbst froh bin, dass ich in Kalifornien lebe, also beim Einkaufen nicht versehentlich von einem Kleinkind erschossen werden kann, das in der Handtasche seiner Mutter die .38er zu greifen bekam, so sehr halte ich es auch für unrealistisch Waffen in den gesamten USA zu verbieten.

Zum einen Erjagen viele Menschen in ländlicheren Gegenden ihre Proteinbeilage mit eben jenen Schusswaffen. Hier muss man sich auch ganz klar vom Bild des regulierten deutschen Jägers trennen der seine Forstparzelle “bewirtschaftet”.
Zwischen Idaho und West Virginia springt man in den Pickup-Truck und geht in den Wäldern sein Reh schiessen mit dem Gewehr dass man bei Dick’s Sporting Goods gekauft hat.

Zum anderen wohnen viele Menschen eine Autostunde oder mehr von der nächsten Polizeistation entfernt, sind also entweder in der Lage sich selbst zu verteidigen oder im Extremfall tot.
Selbst in Deutschland mit relativ hoher Polizeidichte würde keiner ernsthaft behaupten wollen, dass die Beamten abseits von öffentlichen Brennpunkten jemals sofort zur Stelle wären um das Verbrechen an sich zu verhindern, sondern im besten Fall machen sie den Täter dingfest nachdem es ein Opfer gegeben hat.

Letztere Argumentation beruht natürlich auf einem zugegebenermaßen paranoid geprägten Weltbild, das von konservativen Medien anhand von anekdotenhaften Berichten von home invasions und hero with a gun stories genährt wird. Liebste Webseite: Fox News.
Dann gibt es am extremen Rand bekanntermaßen noch den Bodensatz von Waffenbesitzern, die meinen sie müssten sich gegen die Regierung sowie die Invasion von islamischen Terroristen verteidigen. Liebste Webseite: Breitbart.

Über die Paranoia der Amerikaner und dem daraus resultierenden Zwang sich mit maximaler Firepower verteidigen zu können, kann man sich natürlich zu recht lustig machen. Als Deutscher muss man aber auch aufpassen dass man dabei nicht im Glashaus sitzt und mit Steinen wirft, wenn ich da unter anderem an die Google Street View Debatte denke wo ganze Mietshausfassaden verpixelt werden mussten.
Die eigene Angst ist natürlich immer berechtigter als die Angst der anderen, auch wenn es statistisch gesehen wahrscheinlicher ist dass man sich mit Waffen gegen Einbrecher verteidigen müsste, als das rumänische Banden die Google Street View Ansicht des Einfamilienhauses als Basis ihres nächsten Raubzuges benutzen.

Die meisten industriellen Volksgesellschaften entscheiden sich richtigerweise gegen den mehr oder weniger uneingeschränkten Waffenbesitz, da als Folge davon zahlreiche Opfer und hohe letale Polizeigewalt einhergehen wie man eben am Beispiel der USA sehen kann.
Wenn man die Zahlen genauer ansieht, relativieren sie sich aber etwas im Vergleich zum einen oder anderen Facebook Meme das die etwa 33.000 Schusswaffentoten pro Jahr oft undifferenziert so in den Raum stellt:
Etwa 20.000 davon sind Selbstmorde, in Deutschland erhängt man sich, in den USA erschiesst man sich. Dabei haben beide Länder etwa die gleiche Selbstmordrate, die Waffen scheinen es also nicht zu begünstigen. Von den restlichen 13.000 sind 10.000 Gangmorde, begangen mit illegal beschafften Waffen die wohl auch bei einem totalen Waffenverbot nicht freiwillig abgegeben werden würden, und bei deren Besitz auch jetzt schon bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen.
Gangs, ob sie nun Crips, Bloods, MS-13 oder anders heißen, sind ein soziokulturelles Phänomen der Amerikas, das man in Europa so nicht kennt. Sie existieren nicht WEIL es Waffen gibt und würden sich auch nach einem Waffenverbot nicht in friedliches Wohlgefallen auflösen.

Sicherlich ist jeder Toter einer zu viel. Richtig ist auch dass die Beschaffung illegaler Waffen, die in den Rivalitätskämpfen zwischen Mitgliedern verschiedener Gangs eingesetzt werden, befeuert wird durch die vielen verlorenen oder gestohlenen einst legalen Waffen. Weisse, suburbane Männer mittleren Alters kaufen die Waffen; junge schwarze, innerstädtische Männer erschiessen sich gegenseitig am unteren Ende der Waffenverwertungskette.

So schwarz/weiss wie man es gerne betrachten möchte ist das Thema aber nicht, wie ich mangels einer eindeutigen pro- oder kontra-Meinung finde. Sind die US-Amerikaner schusswaffengeile Idioten? Diese Meinung ist in Deutschland ungeachtet des politischen Spektrums durchaus salonfähig, wohingegen niemand unzensiert oder ungeniert z.B. die Chinesen als hundefressende Idioten bezeichnen würde.
Regen wir uns über die mehr als 20.000 Kartellmorde pro Jahr in Mexiko (ein Land mit strikter Schusswaffenregulierung) genauso auf wie über die Schusswaffen in den USA – und vielleicht messbarer: wie viele Artikel werden den jeweiligen Themen in der deutschen Presse gewidmet?
Es ist ja nicht so dass es für Europa wichtig wäre sich mit den Waffenproblemen jenseits des Atlantiks zu befassen, als würden die Amerikaner ihre ‘Schusswaffenkultur’ nach Europa exportieren so wie die Deutschen ihre Panzer nach Saudi Arabien.

Des weiteren sollte man bei jedem deutschen Ruf nach einem totalen Waffenverbot in den USA nicht vergessen, dass Schusswaffen auch in Deutschland nicht verboten sind. Im Gegenteil ist der private Waffenbesitz der Deutschen im europäischen Vergleich sehr hoch. Wenn man die dichtere Besiedlung in der Mitte Europas bedenkt, sollte man für die US-Amerikaner keine höheren Standards fordern als man selbst im eigenen Land als Status Quo akzeptiert.

Woher diese Faszination, diese Aufregung über die Amerikaner, frage ich mich manchmal. Das Stereotyp des waffengeilen, christkonservativen Amis der zwischen Baptistenkirche und AR-15 mäandriert, gibt ein solch absurdes, widersprüchliches Bild ab dass es sich immer wieder gerne darüber berichten lässt. Which gun would Jesus use?
Solche Typen gibt es, so wie es auch Deutsche mit Lederhosen und grünem Hut gibt. Ich kenne jeweils nur sehr wenige. Fairerweise sei dazu gesagt dass ich nicht in Texas lebe genausowenig wie ich regelmäßig in Bayern auf dem Land unterwegs war, sonst wäre meine Wahrnehmung sicherlich anders.

Gelegentlich gehe ich auf einen Schießstand auf dem man von der Shotgun über die österreichische Glock bis zum .45er Revolver alles mieten kann. Macht Spaß, wird aber auch auf die Dauer langweilig, und billig ist es auch nicht.
Die Leute die man dort antrifft sind jeden Alters, jeden Geschlechts und jeder Ethnizität. Man trifft einzelne Sportschützen oder auch Paare. Das Bild des amerikanischen Waffenbesitzers, das ich meine in deutschen Publikationen herauszulesen, habe ich hier nur gelegentlich wiedererkannt.

Wer zu einem so kontroversen Thema keine eindeutige Meinung in die eine oder andere Richtung hat kann nur auf wenig Zustimmung hoffen. Für Politiker funktioniert dieser Weg allerdings besser als politischen Selbstmord zu begehen, indem man für Regulierungen (also gleich Einschränkungen der Freiheit) wirbt die als generelles Schusswaffenverbot vom republikanischen Gegner verzerrt dargestellt werden könnten. Obama is gonna take your guns!

Regulierungen und Verbote scheitern hier bekanntermaßen an den Verflechtungen der Gun Lobby mit der Politik, das wissen alle und dennoch wird es genauso wenig aufgebrochen wie die Verpflechtungen der GEZ mit der Politik in Deutschland, nicht dass ich die GEZ und die NRA auf die gleiche Stufe des Bösen stellen will. Immerhin ist die GEZ in ihrem Einzugsbereich zwar noch deutlich unbeliebter als die NRA in ihrem, hat aber noch keinen Massenmord begünstigt.

Statistisch gesehen ist es zwar recht unwahrscheinlich dass man selbst dabei drauf geht, aber das nächste Mass Shooting in den USA ist keine Frage ob sondern nur wann. Wenn es nach mir gehen würde, würde ich Magazine auf sechs Schuss Kapazität begrenzen, mehr braucht kein Mensch zur Jagd oder Selbstverteidigung. Derzeit sind wir in Kalifornien bei zehn. Der leichte Zugang zu mobilem Kriegsgerät und massenhafter Munition insbesondere ausserhalb Kaliforniens ist absurder Wahnsinn, da gibt es aber auch nicht viele Leute die das bestreiten würden. Lediglich die ganz extremen Waffennarren, die Ammosexuals, biegen diese Diskussion dann gerne auf die Meta-Ebene ab um lieber über den Begriff des Assault Rifles an sich zu diskutieren.

Viel diskutiert und auch nicht gelöst wurde der oft fehlende oder schwerere Zugang zu psychologischer Betreuung. Ich kann es nicht quantifizieren, würde aber sagen dass es hier mehr Verrückte gibt, im Sinne von normal wirkenden Leuten die irgendwann durchdrehen. Die Gesellschaft ist einfach ein bischen extremer in allen Auswüchsen. Soziale Isolierung gibt es zwar auch in Deutschland, aber hier findet sie häufig hinter der Fassade freundlicher Oberflächlichkeit statt.
Vielleicht spielt auch das deutlich löchrigere soziale Netz eine Rolle, mögliche Zukunftsängste, eine durch Trump gesteigerte immer tiefere Spaltung der Gesellschaft, kulturelle Vielfalt die von vielen auch als Bedrohung gesehen wird, religiöse Dogmen die noch viel stärker als in Europa von Kindheit an auferlegt werden. Vielleicht sind es auch nur Arschlöcher mit Zugang zu Waffen.

Die Welt in der ich lebe hat jedenfalls wenig von dem waffenvernarrten Amerika über das gerne berichtet wird. Meine Kinder dürfen zu Halloween keine Kostüme mit irgendwas Waffenartigem tragen, nicht weil sie sonst versehentlich von der Polizei erschossen werden würden (wir sind weiß und nicht im Mittleren Westen), sondern weil die Lehrer und die Institution Schule liberal und gegen Waffen sind. Im Internet wird Eltern geraten vor Playdates nachzufragen ob irgendwo Waffen im Haushalt herumliegen, aber auch das habe ich selbst noch nicht erlebt da es hier zu selten der Fall ist.
Man kann eine beschränkte Auswahl von Waffen in Kalifornien kaufen, nach Background Check und zehn Tagen Wartezeit, aber man darf damit nicht draussen herumlaufen, sie weder schussbereit im Auto haben noch sie an dritte Personen weitergeben.

Ich versuche niemanden von oder gegen Waffen zu überzeugen, was eh nicht funktionieren würde. Eine Welt ohne Waffen wäre sicherlich ein besserer Ort, was aber an kommerziellen Interessen, geopolitischen Gegebenheiten sowie Ängsten und Kriminalität  scheitert. Daher hoffe ich zumindestens zu einer differenzierteren Betrachtungsweise beigetragen zu haben.

 

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15 Verkehrsregeln über die man als USA-Besucher bescheid wissen sollte

In den USA gelten ähnliche Verkehrsregeln wie man sie aus der Fahrschule in Deutschland kennt. Daher kann man auch (in den meisten Staaten bei einem Aufenthalt bis zu einem Jahr) problemlos mit seinem EU-Führerschein fahren.

Ein paar Dinge sind jedoch anders, hier ein kurzer Überblick über Verkehrsregeln die man als USA-Besucher kennen sollte.

 

Rechts überholen auf dem HighwayInterstate in Colorado

Anders als auf der deutschen Autobahn darf rechts überholt werden. Allerdings nur bei Fahrbahnen mit mindestens drei Fahrspuren! In der Praxis wird zwar auch bei zweispurigen Trassen rechts überholt, ist aber offiziell eben erst ab drei erlaubt.

Rechts abbiegen bei roter Ampel

Darf überall dort gemacht werden wo es kein Schild “NO TURN ON RED” verbietet (Text oder Grafik). Aber vorsicht: An der Haltelinie muss zuerst gestoppt werden wie bei einem Stop-Schild. Und das Abbiegen ist nur erlaubt wenn Fahrbahn und Fussgängerweg frei sind.

Die Ampel hängt in den USA übrigens hinter der Kreuzung.Das gleiche gilt im übrigen auch für das links Abbiegen von einer Einbahnstraße in eine Einbahnstraße. Also kein Gegenverkehr und Fahrzeuge kommen nur von rechts.

Stopschilder an allen Kreuzungsseiten

Die vermutlich kniffeligste Aufgabe für einen deutschen Autofahrer in den USA sind Kreuzungen mit Stopschildern auf mehreren (meistens allen) Seiten. Diese besonders in Wohngebieten sehr verbreitete Vorfahrtsregelung wird manchmal mit dem Zusatz “3-WAY”, “4-WAY” oder “ALL-WAY” versehen. Häufig erkennt man diesen Kreuzungstyp aber nur an den Haltelinien auf den anderen Kreuzungsseiten.

Hier gilt: Wer zuerst kommt, fährt zuerst. Dabei muss man die Kreuzung bereits beobachten bevor man zum Stehen kommt! Wer eine halbe Sekunde früher steht, fährt.
Wenn meherer Fahrzeuge exakt gleichzeitig stoppen, dann geht es in der Praxis mit Handzeichen weiter.

Zu letztgenanntem Fall (gleichzeitiges Stehen) möchte ich allerdings die selten gelebte, aber theoretisch offizielle Regelung (zumindestens in Kalifornien) nicht verschweigen:
Bei einer T-Kreuzung fährt die durchgehende Straßenseite, bei Linksabbiegern der Geradeausfahrende und ansonsten gilt rechts vor links.

Rot blinkende Ampel

Wird wie ein Stop-Schild behandelt. Siehe oben.

Links abbiegen verboten

Häufig finden sich in der Innenstadt Schilder die das Links abbiegen verbieten. Lösung: dreimal rechts abbiegen, also quasi einmal um den Block fahren. Das geht dank des Schachbrettmusters der Straßen i.d.R. auch ganz gut.

HöchstgeschwindigkeitAuto-Tacho

So hoch wie in der Schweiz sind die Strafen zwar nicht, aber so niedrig wie in Deutschland auch nicht. Dafür ist die Kontrolldichte deutlich geringer, gemessen wird mit Radarpistolen vom Straßenrand aus (selten auch aus der Luft). Ganz sklavisch muss man sich zwar nicht ans Speed Limit auf dem Highway halten, ab 10 mph (miles per hour)  wird man allerdings schon rausgezogen.

Haltender Schulbus

Ein haltender Schulbus klappt Stop-Schilder aus und schaltet meistens blinkende Warnleuchten an. Wichtig zu wissen: anhalten muss dabei auch der Gegenverkehr.

Anhalten für Einsatzfahrzeuge

Ausser auf dem Highway etc. muss man bei einem herannahenden Ambulanz-, Polizei- oder Feuerwehrwagen rechts ranfahren und anhalten. Auch auf der Gegenseite.

Anhalten für Fussgänger

Das ist zwar nicht unbedingt gesetzlich geregelt, aber man sollte damit rechnen dass der Straßenverkehr stoppt (auch auf mehrspurigen Straßen) wenn ein Fussgänger seinen Fuß auf die Straße setzt – Fussgängerübergang oder nicht. Das passiert in den Innenstädten eher weniger als ausserhalb.

Carpool Spuren

Auf Highways mit hoher Verkehrsdichte finden sich hin und wieder Fahrspuren an, die mit einem Karo markiert sind – sogenannte HOV Lanes (High Occupancy Vehicle). Auf dieser sollte man zu bestimmten Uhrzeiten nur mit einer Mindestpersonenzahl im Auto fahren (Motorrad ist ok). Wie viele Personen und zu welchen Uhrzeiten, darüber informieren Schilder am Rand.

Autobahn-Maut

In vielen Bundesstaaten gibt es eine Highway Toll, in der San Francisco Bay Area z.B. kosten alle Brücken (in jeweils nur einer Richtung) $4 bis $6. Man sollte also unbedingt Bargeld mit sich führen (muss nicht passend sein, aber keine Scheine über $20).

Wichtig: Wenn man keinen Fastrak (Kalifornien), E-Z Pass (Ostküste), SunPass (Florida) oder anderweitigen Transponder  besitzt dann muss man eine Spur ansteuern auf der “CASH” steht (kann auch “Fastrak/CASH” sein).
An den “Fastrak ONLY” Lanes in Kalifornien kann man nur mit einem elektronischen Transponder bezahlen den man z.B. bei Walgreen’s kauft und der dann von einer online verknüpften Kreditkarte den Mautbetrag abbucht. Ist eine super Sache weil man nicht anhalten muss, die Anschaffung lohnt sich für Touristen aber eher nicht.

Abbiegestreifen

Die sogenannten Center Lanes befinden sich zwischen den beiden Fahrbahnseiten und sind mit einer durchgehenden + gestrichelten gelben Linie markiert. Sie sind nur zum links abbiegen vorgesehen und man darf maximal 60 Meter drauf fahren.

Parken an einem HydrantenHydrant in San Francisco

Die am Straßenrand stehenden Hydranten dürfen nicht zugeparkt werden, es muss ein Mindestabstand von 5 Metern eingehalten werden. Bei Missachtung wird es teuer, unter Umständen wird das Fahrzeug sogar abgeschleppt.

Parken an gefärbten Bordsteinkanten

Park- und Halteverbote sind nicht nur durch Schilder sondern auch durch gefärbte Bordsteinkanten gekennzeichnet. Hier die verschiedenen Farben und deren Bedeutung:

Rot: Absolutes Halteverbot
Weiss: Be- und Entladen von Passagieren, maximal 5 Minuten, Fahrer im Auto
Grün: Kurzzeitparken, i.d.R. 10 Minuten Mo-Sa 9-18 Uhr – abweichende Zeiten sind aufgedruckt
Gelb: Be- und Entladen von Waren, nur für Gewerbezwecke
Blau: Behindertenparkplatz

Ausserdem sollte man auf “Street Cleaning” Schilder mit Uhrzeiten und Tagesangaben achten – die sind rot, ziemlich klein und manchmal relativ weit oben angebracht. Tip: “12 AM” ist Mitternacht.

Parken am Abhang

Ein wichtiger Tip für Reisende in sehr hügelige San Francisco Bay Area: Beim Parken am Abhang müssen die Räder voll eingeschlagen werden, ansonsten wird es teuer und das Fahrzeug unter Umständen sogar abgeschleppt.
In welche Richtung müssen die Räder eingeschlagen werden? Vorausgesetzt man parkt an der rechten Seite: wenn der Wagen nach vorne rollen würde müssen die Räder nach rechts eingeschlagen werden, wenn er nach hinten rollen würde nach links. Der Sinn dabei ist eben dass (sollten sich die Bremsen lösen) der Wagen nicht wegrollt, sondern mit den Vorderrädern an der Bordsteinkante hängen bleibt.

 

Rechtlicher Hinweis: Ich gebe keine Garantie für juristische Richtigkeit! Ich hafte nicht für etwaige rechtliche Einschätzungen. Informiert Euch vor Fahrtantritt beim zuständigen Department for Motor Vehicles bezüglich der Verkehrsregeln.

Die Verkehrsregeln können und sind ausserdem in den einzelnen Bundesstaaten unterschiedlich. Ich habe zwar schon mehr als ein dutzend Bundesstaaten befahren, aber nur Führerscheine in Massachusetts und Kalifornien besessen.

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Ein Spaziergang durch San Franciscos Chinatown

 

Touristische Sehenswürdigkeiten gibt es viele in San Francisco. Eine der beeindruckendsten wird allerdings von vielen nur am Rande gestreift oder gar ganz links liegen gelassen: Chinatown.

Seit 1848 beherbergt das älteste Chinesenviertel in Nordamerika die größte chinesische Gemeinde ausserhalb Asiens. 1 x 1,34 Meilen groß, 24 Straßenblöcke schwer und 5 Zip-Codes weit. Einwohner: 100.000, Restaurants: 300.

Wer sich in der Stadt befindet und die Golden Gate Bridge bereits gesehen hat, der sollte unbedingt Chinatown besichtigen. Zur Not auf Kosten aller restlichen Sehenswürdigkeiten. Dabei ist es durchaus in zwei Stunden erlaufbar:

Start

Die Chinatown-Tour geht an der Kreuzung Sacramento und Stockton los. Hinter Euch befindet sich der Stockton Tunnel der unter California, Pine und Bush Street durchgegraben wurde. Der laute und dreckige Autotunnel trennt zwei Welten voneinander: auf der südlichen Seite den stattlichen Union Square der von Geschäften wie Macy’s flankiert wird, auf der nördlichen Seite das wuselige und eher dreckige Chinatown.

[1] Geschäfte an der Stockton Street

Ihr lasst den Autotunnel hinter Euch und geht die Stockton Street Richtung Norden rauf. Gewöhnt Euch an die vollen Bürgersteige, die fremden Gerüche und Verkaufstische mit bizarren Waren, die von den kleinen Geschäften auf die engen Laufwege fluten.

Hinter der Jackson Street wechselt Ihr auf die linke Straßenseite. Was es auf diesem einen Block zwischen Jackson und Pacific Avenue in den Geschäften zu sehen gibt, würde jeden Beamten vom Gesundheitsamt augenblicklich in die Berufunfähigkeit treiben…

Geht in jedes Geschäft, bestaunt die gammeligen Plastikkisten in denen lebende Kröten sitzen, alte Frauen die in offenen Kühltüten barhändig nach Ware fischen, gehäutete Schlangen, Fleisch auf dem Fussboden und kleine Käfige vollgestopft mit lebendigen Hühnern. It ain’t pretty…

Kleiner Hinweis: Fotos machen in den Geschäften ist nicht wirklich erwünscht. Vom öffentlichen Grund aus (Straße) könnt Ihr das zwar rechtlich gesehen machen, aber könnte auch zu Gemecker führen wenn Ihr auffällig gezielt die Ware fotografiert.

[2] Die Golden Gate Fortune Cookie Company

In einer kleinen Seitengasse (56 Ross Alley) befindet sich seit 1962 die Golden Gate Fortune Cookie Factory. Der Glückskeks war zwar schon im alten Japan bekannt, das heute Konzept stammt aber aus San Franciso. Einigen Erzählungen zufolge hatte er an diesem Ort seinen Ursprung, genau lässt sich das heute nicht mehr klären.

Auf jeden Fall ist die Glückskeks-Fabrik Kult und muss unbedingt besichtigt werden. Für 50 Cent dürft Ihr auch Fotos von den armen Seelen machen, die hier in Handarbeit die Zettel in die Kekse falten.

Ein Beutel mit Cookies wird für etwa $3 verkauft. Neben chocolate flavored Fortune Cookies gibt übrigens auch fortuneless Cookies zu kaufen – also Kekse ohne Botschaft.

[3] Waverly Place

Waverly Place, zwischen Washington und Clay gelegen, wird aufgrund seiner lebhaften Hausfassaden auch “die Straße der bemalten Balkone” genannt. Früher war ihr Spitzname “15 Cent Straße” – der Preis den man hier bei einem der Friseure für einen Haarschnitt zahlen musste.

[4] Tin How Temple

Ebenfalls im Waverly Place gibt es den ältesten chinesischen Tempel in den USA seit 1852. Wie so ziemlich alle anderen Gebäude in San Francisco auch ist er nach dem Erdbeben 1906 abgebrannt und wurde wieder neu aufgebaut. Die Locals beten hier zu Tin How, dem Gott des Himmels und des Meeres.

Der Tempel befindet sich im dritten Stock des fahrstuhllosen Gebäudes. Fotografieren ist leider nicht erlaubt.

[5] Ten Ren Tea Company

Die Ten Ren Tea Company befindet sich an der Grant Ave Ecke Jackson Street. Was gibt es hier? Den besten Bubble Tea der Stadt. Zeit eine kurze Verschnaufpause einzulegen und dieses Kaltgetränk mit Tapioka Kugeln zu schlürfen.

[6] Old Chinese Telephone Exchange

An der Washington Street Ecke Grant: Ein eher mittelmäßig spektakuläres Gebäude das allerdings in Fremdenführern als Site erwähnt wird. Also im Vorbeigehen kurz optisch abgreifen und geistig notieren dass hier seit 1909 Telephone Operators Telefonverbindungen herstellten, fünf chinesische Dialekte sprachen und angeblich die Telefonnummern ihrer Kunden auswendig kannten.

Heute befindet sich die United Commercial Bank in dem Gebäude.

[7] Portsmouth Square

Der belebte Platz am Walter U Lum Place der zwischen 1987 und 1994 in seinen jetzigen Zustand umgebaut wurde hat nicht zu Unrecht den Spitznamen “Heart of Chinatown”. Hier hängen jeden Tag zahlreiche Bewohner des Viertels ab, betreiben Gymnastik oder spielen Karten/Brettspiele.

Der offizielle Name kommt vom Schiff USS Portsmouth, dessen Kapitän John B. Montgomery an dieser Stelle im Jahr 1846 zum ersten mal die amerikanische Fahne in San Francisco gehisst hat. Der Platz ist ausserdem auch das Zuhause zahlreicher Obdachloser.

[8] Eastern Bakery

Angeblich die älteste Bäckerei in Chinatown, in business seit 1924. Der Geheimtip ist wohl der “Lotus Golden Yolk Mooncake” – ich habe es noch nicht probiert. Grant Avenue nähe Sacramento Street.

[9] Old Saint Mary’s Cathedral

Die Tour endet an der Kreuzung Grant Avenue und California Street. Auf der einen Seite befindet sich seit 1854 die erste katholische Kirche San Franciscos. Was hat sie mit China zu tun? Das Granit aus dem sie gebaut wurde, wurde in China abgebaut. Und die Ziegel kommen von der US-Ostküste und wurden um Kap Horn herumgeschifft (der Panamakanal stand erst seit 1914 zur Verfügung).

[10] Sing Chong and Sing Fat buildings

Bevor Ihr Euch von Chinatown verabschiedet, wandert Euer Blick noch einmal zu den beiden beeindruckenden, 1906 kurz nach dem Erdbeben erbauten Gebäuden auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

 

Wenn Ihr Euch nicht zu lange in den vielen kleinen Geschäften am Wegesrand aufgehalten habt, dann hat das knapp zwei Stunden gedauert.

Es gibt noch viele andere Dinge in der Stadt zu sehen, aber wer Zeit genug hat, kann noch versuchen ein Restaurant zu finden in dem es den traditionellen chinesischen Hotpot gibt. Aber wahrscheinlich ist den meisten gleich zu Beginn der Appetit vergangen.

 


Fotos

Wandgrafitti “Chinatown”

 

Ladenzeile an der Stockton Street

Kröten und …(?)

 

Golden Gate Fortune Cookies

Tin How Temple Eingang / Aussicht vom Balkon (Turm im Hintergrund: Coit Tower)

Gebäude in Chinatown / Ware

Kartenspielende Damen am Portsmouth Square

Bubble Tea von Ten Ren in Chinatown, im Hintergrund Grant Ave

 

Karte: Google Maps

 

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