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Ein Spaziergang durch San Franciscos Chinatown

 

Touristische Sehenswürdigkeiten gibt es viele in San Francisco. Eine der beeindruckendsten wird allerdings von vielen nur am Rande gestreift oder gar ganz links liegen gelassen: Chinatown.

Seit 1848 beherbergt das älteste Chinesenviertel in Nordamerika die größte chinesische Gemeinde ausserhalb Asiens. 1 x 1,34 Meilen groß, 24 Straßenblöcke schwer und 5 Zip-Codes weit. Einwohner: 100.000, Restaurants: 300.

Wer sich in der Stadt befindet und die Golden Gate Bridge bereits gesehen hat, der sollte unbedingt Chinatown besichtigen. Zur Not auf Kosten aller restlichen Sehenswürdigkeiten. Dabei ist es durchaus in zwei Stunden erlaufbar:

Start

Die Chinatown-Tour geht an der Kreuzung Sacramento und Stockton los. Hinter Euch befindet sich der Stockton Tunnel der unter California, Pine und Bush Street durchgegraben wurde. Der laute und dreckige Autotunnel trennt zwei Welten voneinander: auf der südlichen Seite den stattlichen Union Square der von Geschäften wie Macy’s flankiert wird, auf der nördlichen Seite das wuselige und eher dreckige Chinatown.

[1] Geschäfte an der Stockton Street

Ihr lasst den Autotunnel hinter Euch und geht die Stockton Street Richtung Norden rauf. Gewöhnt Euch an die vollen Bürgersteige, die fremden Gerüche und Verkaufstische mit bizarren Waren, die von den kleinen Geschäften auf die engen Laufwege fluten.

Hinter der Jackson Street wechselt Ihr auf die linke Straßenseite. Was es auf diesem einen Block zwischen Jackson und Pacific Avenue in den Geschäften zu sehen gibt, würde jeden Beamten vom Gesundheitsamt augenblicklich in die Berufunfähigkeit treiben…

Geht in jedes Geschäft, bestaunt die gammeligen Plastikkisten in denen lebende Kröten sitzen, alte Frauen die in offenen Kühltüten barhändig nach Ware fischen, gehäutete Schlangen, Fleisch auf dem Fussboden und kleine Käfige vollgestopft mit lebendigen Hühnern. It ain’t pretty…

Kleiner Hinweis: Fotos machen in den Geschäften ist nicht wirklich erwünscht. Vom öffentlichen Grund aus (Straße) könnt Ihr das zwar rechtlich gesehen machen, aber könnte auch zu Gemecker führen wenn Ihr auffällig gezielt die Ware fotografiert.

[2] Die Golden Gate Fortune Cookie Company

In einer kleinen Seitengasse (56 Ross Alley) befindet sich seit 1962 die Golden Gate Fortune Cookie Factory. Der Glückskeks war zwar schon im alten Japan bekannt, das heute Konzept stammt aber aus San Franciso. Einigen Erzählungen zufolge hatte er an diesem Ort seinen Ursprung, genau lässt sich das heute nicht mehr klären.

Auf jeden Fall ist die Glückskeks-Fabrik Kult und muss unbedingt besichtigt werden. Für 50 Cent dürft Ihr auch Fotos von den armen Seelen machen, die hier in Handarbeit die Zettel in die Kekse falten.

Ein Beutel mit Cookies wird für etwa $3 verkauft. Neben chocolate flavored Fortune Cookies gibt übrigens auch fortuneless Cookies zu kaufen – also Kekse ohne Botschaft.

[3] Waverly Place

Waverly Place, zwischen Washington und Clay gelegen, wird aufgrund seiner lebhaften Hausfassaden auch “die Straße der bemalten Balkone” genannt. Früher war ihr Spitzname “15 Cent Straße” – der Preis den man hier bei einem der Friseure für einen Haarschnitt zahlen musste.

[4] Tin How Temple

Ebenfalls im Waverly Place gibt es den ältesten chinesischen Tempel in den USA seit 1852. Wie so ziemlich alle anderen Gebäude in San Francisco auch ist er nach dem Erdbeben 1906 abgebrannt und wurde wieder neu aufgebaut. Die Locals beten hier zu Tin How, dem Gott des Himmels und des Meeres.

Der Tempel befindet sich im dritten Stock des fahrstuhllosen Gebäudes. Fotografieren ist leider nicht erlaubt.

[5] Ten Ren Tea Company

Die Ten Ren Tea Company befindet sich an der Grant Ave Ecke Jackson Street. Was gibt es hier? Den besten Bubble Tea der Stadt. Zeit eine kurze Verschnaufpause einzulegen und dieses Kaltgetränk mit Tapioka Kugeln zu schlürfen.

[6] Old Chinese Telephone Exchange

An der Washington Street Ecke Grant: Ein eher mittelmäßig spektakuläres Gebäude das allerdings in Fremdenführern als Site erwähnt wird. Also im Vorbeigehen kurz optisch abgreifen und geistig notieren dass hier seit 1909 Telephone Operators Telefonverbindungen herstellten, fünf chinesische Dialekte sprachen und angeblich die Telefonnummern ihrer Kunden auswendig kannten.

Heute befindet sich die United Commercial Bank in dem Gebäude.

[7] Portsmouth Square

Der belebte Platz am Walter U Lum Place der zwischen 1987 und 1994 in seinen jetzigen Zustand umgebaut wurde hat nicht zu Unrecht den Spitznamen “Heart of Chinatown”. Hier hängen jeden Tag zahlreiche Bewohner des Viertels ab, betreiben Gymnastik oder spielen Karten/Brettspiele.

Der offizielle Name kommt vom Schiff USS Portsmouth, dessen Kapitän John B. Montgomery an dieser Stelle im Jahr 1846 zum ersten mal die amerikanische Fahne in San Francisco gehisst hat. Der Platz ist ausserdem auch das Zuhause zahlreicher Obdachloser.

[8] Eastern Bakery

Angeblich die älteste Bäckerei in Chinatown, in business seit 1924. Der Geheimtip ist wohl der “Lotus Golden Yolk Mooncake” – ich habe es noch nicht probiert. Grant Avenue nähe Sacramento Street.

[9] Old Saint Mary’s Cathedral

Die Tour endet an der Kreuzung Grant Avenue und California Street. Auf der einen Seite befindet sich seit 1854 die erste katholische Kirche San Franciscos. Was hat sie mit China zu tun? Das Granit aus dem sie gebaut wurde, wurde in China abgebaut. Und die Ziegel kommen von der US-Ostküste und wurden um Kap Horn herumgeschifft (der Panamakanal stand erst seit 1914 zur Verfügung).

[10] Sing Chong and Sing Fat buildings

Bevor Ihr Euch von Chinatown verabschiedet, wandert Euer Blick noch einmal zu den beiden beeindruckenden, 1906 kurz nach dem Erdbeben erbauten Gebäuden auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

 

Wenn Ihr Euch nicht zu lange in den vielen kleinen Geschäften am Wegesrand aufgehalten habt, dann hat das knapp zwei Stunden gedauert.

Es gibt noch viele andere Dinge in der Stadt zu sehen, aber wer Zeit genug hat, kann noch versuchen ein Restaurant zu finden in dem es den traditionellen chinesischen Hotpot gibt. Aber wahrscheinlich ist den meisten gleich zu Beginn der Appetit vergangen.

 


Fotos

Wandgrafitti “Chinatown”

 

Ladenzeile an der Stockton Street

Kröten und …(?)

 

Golden Gate Fortune Cookies

Tin How Temple Eingang / Aussicht vom Balkon (Turm im Hintergrund: Coit Tower)

Gebäude in Chinatown / Ware

Kartenspielende Damen am Portsmouth Square

Bubble Tea von Ten Ren in Chinatown, im Hintergrund Grant Ave

 

Karte: Google Maps

 

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