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Uber oder nicht Uber – das ist hier die Frage

Ein Service den ich auf meinen jährlichen Deutschland-Besuchen ein stückweit vermisse, da er dort am staatlichen Protektionismus scheiterte, ist Uber.

Uber, in Kalifornien gegründet und nach dem deutschen Wort “über” benannt, ist ein Fahrdienst der über eine App funktioniert und zahlungswillige Passagiere an Fahrer vermittelt. Der Konkurrent von Uber ist Lyft welchen ich persönlich bevorzuge. Das besondere an beiden Services (die im Grunde genommen gleich sind) ist, dass die Fahrer mit ihren Privatfahrzeugen arbeiten und keine staatliche Beförderungslizenz besitzen.

Für mich als Konsument besteht der Vorteil von Uber darin, dass die Kosten pro Fahrt etwas geringer sind als bei traditionellen Taxi Services, dass ich das Fahrtziel in der App eingebe und nicht dem Fahrer erklären muss, und – eigentlich am wichtigsten – dass ich vor der Fahrtbuchung den verbindlichen Fahrpreis angezeigt bekomme und diesen per Kreditkarte durch die App bezahle, ohne mein Portemonnaie rausholen zu müssen, nicht mal fürs optionale Trinkgeld. Der Fahrpreis orientiert sich dabei an Angebot und Nachfrage, ist also zu Stoßzeiten höher als in Randzeiten.

Ich freue ich mich bei jeder Auslandsreise wenn meine Uber/Lyft App funktioniert und ich einen gewissen Standard an Preistransparenz und nonverbaler Fahrziel-Übermittlung erwarten kann. Die App mit meiner hinterlegten US-Kreditkarte funktioniert weltweit, zumindestens in den Ländern in denen Uber seinen Service anbieten darf.
Also nicht in Deutschland. Oder zumindestens nur soweit eingeschränkt, dass sein Business-Modell dort nicht funktioniert. In Deutschland darf Uber nur Fahrten mit Fahrern anbieten die einen Personenbeförderungsschein besitzen. Klingt erstmal logisch und richtig… aber warum eigentlich?

Ich könnte jetzt ganz konfrontativ sein und schreiben, dass es nur für Deutsche logisch und richtig klingt weil sie Kontrolle, Regulierung und staatlichen Protektionismus mit der Muttermilch aufgesogen haben und es sich tief in ihr kollektives Bewusstsein als richtig und notwendig eingebrannt hat. Der Staat als schützende Macht, der Staat als Vormund und Babysitter. So ganz falsch ist es im Einzelfall aber natürlich auch nicht, für eine gewisse staatliche Regulierung zu sein.

Frei nach Carl Sagan “what can be destroyed by the truth should be” haben mich die Jahre im Silicon Valley soweit beeinflusst dass ich sagen würde “was durch ein besseres Geschäftsmodell zerstört werden kann, sollte zerstört werden”.
Ich sage nicht, dass der Staat alle Geschäftsideen unwidersprochen walten lassen sollte, z.B. sehe ich die Wohnraumverknappung durch AirBnB als echtes Problem an. Die Personenbeförderung die nicht Schienen oder ähnlicher Infrastruktur bedarf fällt für mich aber nicht in die Kategorie von Gewerbe die vom Staat lizensiert und geschützt werden sollten. Wenn Privatleute sich in ihrer Freizeit dafür entscheiden gegen Bezahlung Passagiere zu transportieren, sollten sie das tun dürfen, wer das als Passagier nicht möchte den zwingt ja keiner dazu. Wir verbieten ja auch nicht Currywurstbuden weil sie schlecht für das restliche Restaurantgewerbe sind und zu ungesund für den Konsumenten.

Ich trauere den Zeiten als ich noch Taxen in San Francisco und rund ums Silicon Valley benutzt habe nicht hinterher. Oftmals rottige Fahrzeuge, unfreundliche Fahrer die zum Teil kaum ein Wort Englisch sprachen. Ob Kreditkarten akzeptiert wurden oder nicht, genauso ein Glücksspiel wie der Fahrpreis der am Ende verlangt wurde. Ortskenntnisse: nicht vorhanden. Die Fahrer wussten oft genausowenig wo der internationale Flughafen liegt, wie sie offensichtlicht nicht in der Lage waren fehlerfrei eine Adresse in ihr Navigationsgerät einzugeben.
Und versucht blos nicht am Samstag abend in San Francisco nach einem Clubbesuch ein Taxi in den Vorort zu nehmen: Die Fahrer mit ihrer Lizenz aus San Francisco dürfen ausserhalb keine neuen Passagiere aufnehmen, weswegen ich schon bei solchen Gelegenheiten vom Fahrer angemault wurde dass er jetzt eigentlich keinen Bock hat auf diese Fahrt und ob ich nicht wieder aussteigen möchte.
Seit es Uber und Lyft gibt, geht es der Taxiindustrie in den USA relativ schlecht, ihre Fahrten sind je nach Gegend zwischen 30% bis 70% eingebrochen. Ich gönne es ihnen. Sie haben sich ihr eigenes Grab geschaufelt. Durch Behörden gering gehaltene Lizenzen und mangelnde Konkurrenz hatten dafür gesorgt dass man selbst tagsüber in der Innenstadt nur sehr schwer ein Taxi fand. Es fehlte ein zentraler Taxiruf und zwischen den Telefonnummern verschiedener Unternehmen erwischte man regelmäßig eines, wo man vergeblich aufs gerufene Taxi wartete weil es einfach nie auftauchte.

Sicherlich ist die Situation in Deutschland nicht direkt vergleichbar. Die öffentlichen Verkehrmittel sind deutlich besser. Die Taxen sind sauberer, die Fahrer haben in der Regel ein höheres Maß an Ortskenntnis und Professionalität. Mittlerweile gibt es Apps wie MyTaxi mit denen man einen Fahrer rufen kann.
Die Fahrer müssen einen Personenbeförderungsschein haben und die Fahrzeuge unterliegen strengen Regularien. Warum sollte also ein Unternehmen (noch dazu ein amerikanisches, o-ho!) die Gesetze umgehen und seine Fahrdienste mit ungeschulten Fahrern in ihren Privatfahrzeugen anbieten dürfen? Ganz einfach, weil es gut für den Konsumenten wäre und flexible Verdienstmöglichkeiten für Fahrer eröffnen würde.
Die Interessen der Taxilobby und der Wunsch des Staates Kontrolle auszuüben haben sich in Deutschland aber offenbar durchgesetzt.

Ich sehe ein dass man bei diesem Thema verschiedene Meinungen haben kann und dafür ist, dass die Taxifahrer vor der feindlichen Übernahme des Marktes durch Privatfahrer geschützt werden. Diese ad hoc Beschäftigungsverhältnisse gleichen denen von Selbständigen und nicht denen von Angestellten mit sozialer Absicherung. Flexibilität und Selbstbestimmung gegenüber einer Beschäftigungssicherheit die aber im Falle von Taxifahrern auch relativ ist.
Der unregulierte Marktvorstoß von Uber und Lyft hat auch infrastrukturelle Nachteile. Neueren Studien zufolge hat der Verkehr in den US-Innenstädten zu Stoßzeiten zugenommen weil zum einen viele Fahrer dort von ausserhalb hineindrängen in der Hoffnung auf Fahrgäste, zum anderen weil mehr Leute diese Fahrdienste nutzen anstatt sich in den Bus zu setzen. Zu meinem Verständnis von Freiheit gehört aber auch, dass man keinem vorschreiben sollte den Bus zu nehmen. Das Freiheitsverständnis von vielen Deutschen besteht aber leider darin, alles zu verbieten oder zu tode zu regulieren was sie persönlich nicht gut finden oder brauchen. Das finde ich umso mehr je länger ich im Ausland lebe und von aussen auf eine Kultur schaue die ich zunehmend als von einer Verbotsmentalität geprägt wahrnehme.

Die grundsätzliche Frage an der sich wahrscheinlich die Geister scheiden ist, warum der Staat das Personentransport-Gewerbe per Lizenzen regulieren sollte. Der Staat könnte genauso gut die Anzahl der Bäckereien pro Bezirk sowie den Preis für ein Brötchen festlegen. Oder einfach jedes Gewerbe und jedes Produkt. Macht man aber spätestens seit dem Ende der DDR nicht, da Angebot und Nachfrage den Markt bestimmen.
Das Prinzip Angebot und Nachfrage hat man grundsätzlich für den Austausch von Waren und Dienstleistungen in der Bundesrepublik Deutschland akzeptiert, von daher frage ich mich warum es nicht auch für das Taxigewerbe gelten sollte.

Ländliche Regionen die dünner besiedelt sind werden ohne die staatliche Lizenz-Kontrolle nicht auf einmal am Taximangel zugrunde gehen, da es gerade in diesen Gegenden genügend Arbeitslose oder gering Beschäftigte gibt, die sich durch das Anbieten ihres Fahrservices etwas dazu verdienen könnten.

Eine spezielle Ausbildung zum Taxi fahren (ausser dem Besitz eines Führerscheins) bedarf es im Jahr 2018 mit Google Maps und Smartphones meiner Meinung nach nicht mehr. Services wie Uber und Lyft verifizieren die Identität ihrer Fahrer und machen einen ausgiebigen criminal background check bevor sie diese auf die Kunden loslassen. Die Fahrzeuge müssen bestimmte Kriterien erfüllen (z.B. Alter, Anzahl Türen) und werden alle sechs Monate auf technische Sicherheit überprüft. Sie stellen den Fahrern und ihren Passagieren einen erweiterten Versicherungsschutz zur Verfügung. Alles was mir in einem Uber zustoßen könnte, wäre in einem offziellen Taxi genauso wahrscheinlich. Ich bin früher auch über die Mitfahrzentrale bei anderen Leuten gegen Bezahlung mitgefahren, und lebe noch.
Der Staat kann sicherlich Spielregeln festlegen was die Sicherheit des Personenverkehrs und der Öffentlichkeit angeht, aber eine künstliche Marktverknappung und Preisdiktat gehören für mich nicht dazu.
Viele Deutsche werden mir vermutlich nicht zustimmen, da Marktfreiheit, Innovation und progressives Entrepreneurship die ‘Ordnung muss sein’ Mentalität nicht durchbrechen können. Alteingesessene Strukturen müssen geschützt werden, da sind sie halt sehr konservativ, meine ehemaligen Landsleute.

Egal wie man nun zu diesem Thema steht, die Taxibranche, ja die gesamte Transportbranche ist am Ende sowieso dem Untergang geweiht. Die Automatisierung wird sämtliche Fahrer-Jobs ersetzen. Selbstfahrende Autos rollen zu Testzwecken schon jetzt überall im Silicon Valley herum, ab April 2018 sogar ganz ohne Fahrer. Ich gebe dem ganzen noch maximal zehn Jahre, dann werden wir alle von Computern durch die Gegend gefahren.

 

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